Veröffentlichung des Kalenders "Eutin in alten Ansichten 2010"

Anlässlich einer kleinen Feierstunde stellt der Vorstand der Eutiner Bürgergemeinschaft e.V. im Beisein der stellvertretenden Kreispräsidentin Bärbel Seehusen, des Eutiner Bürgervorstehers Ernst-Joachim Meseck und des Bürgermeisters Klaus-Dieter Schulz den Eutin-Kalender 2010 vor.

Als Veröffentlichungsort hat der Verein das Traditionslokal "Markt 17" gewählt.

Dieses Werk, das zum 29. Mal erscheint, ist in der Vergangenheit zu einem beliebten Geschenk für die Bürgerinnen und Bürger Eutins geworden.

In den ersten Jahren der Kalendertradition erschienen Federzeichnungen mit bereits abgerissenen oder vom Abriss bedrohten Häusern. Von 1985 bis 1994 erschien der Kalender mit zeitgenössischen Farbfotos und erläuternden Texten auf der Rückseite. Seit 1995 trägt er das Motto "Eutin in alten Ansichten", damit liegt nun die 16. Ausgabe vor.

Mit den 16 Kalendern existieren nun immerhin 208 einzelne Kapitel und bilden damit schon eine stattliche Sammlung stadtgeschichtlicher Episoden.

Dreizehn historische Ansichten zeigen Altstadtbilder und dörfliche Kleinodien. Auf den Rückseiten befinden sich ergänzende Ansichten. Einige Aufnahmen werden insbesondere bei älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern liebevolle Erinnerungen wecken, sie werden bei einigen Ansichten an ihre eigenen Jugendjahre denken.

Der umfangreiche Textteil auf den Rückseiten erläutert die Geschichte der jeweiligen Abbildung auf der Vorderseite und beleuchtet auf diese Weise interessante Abschnitte der jüngeren Stadtgeschichte.

 

Berufe - gestern, heute und morgen.....

Der Kalender 2010 beginnt mit der Entwicklung des Fotografenhandwerks in Eutin. Dabei werden die herausragenden Namen Urbahns und Giesler porträtiert. Um 1900 war die Arbeit eines Fotografen auch durch den aufstrebenden Fremdenverkehr geprägt. Hunderte von verschiedenen Postkartenmotiven waren im Handel erhältlich, denn das, was heute die SMS oder die MMS ist, ist für den Reisenden vor und nach der vorletzten Jahrhundertwende die Ansichtskarte.

Zu einer Zeit als Brot noch nicht im Supermarktregal gekauft werden konnte, war das Handwerk des Bäckers eines des am meisten verbreiteten. Bis heute verbinden viele Eutiner die Namen Stahl und Wriedt mit knusprigem Brot und duftendem Kuchen. Das Januar-Blatt des Kalenders stellt die Entwicklung und Verzahnung beider Familien dar.

Eine ungewöhnlich schwierige, aber auch besonders reizvolle Aufgabe des Maurerhandwerks in Eutin dürfte wohl der Bau des Wasserturms gewesen sein. Dort, aber auch bei zahlreichen anderen Bauvorhaben, spielte das Baugeschäft "Hinrich Steenbock" mit seinen Mitarbeitern eine besondere Rolle.

Das Gewerbe des Müllers gehört zu den ältesten der Menschheit. Der einst "unehrliche" Beruf hat einen rasanten technischen Fortschritt erfahren. Von den ehemals sechs Eutiner Mühlen sind mit der Wassermühle "Neumühle" und "Moder Grau" heute nur noch zwei existent.

Die Gastwirte und die Lebensmittelhändler, die Höker, haben sich nicht zuletzt wegen der erheblich veränderten hygienischen Verhältnisse den modernen Zeiten anpassen müssen. Ein Bonbonglas, in das jeder greifen darf, ein Brett auf dem Wurst und Fleisch, Geflügel und Käse geschnitten wird, das sind Relikte einer vergangenen Zeit, die wir heute nur noch aus Urlauben in Entwicklungsländern kennen.

Veränderungen in der beruflichen Landschaft sind keine "Erfindungen" der heutigen Zeit. Mitte des 18. Jahrhunderts gibt es in Eutin drei Sattler und vier Riemer. Für das Leder sorgen 11 Gerber. Sattler und Riemer verarbeiten beide das gleiche Material, die einen ursprünglich zu Sätteln, die anderen zu Gurten und Riemen. Die Sattler sind gegenüber den Riemern in der vorteilhaften Lage, dass die schwierige und komplizierte Arbeit des Sattelmachens sie befähigt, auch das einfachere Riemerhandwerk auszuüben. Die Riemer wehren sich letztendlich erfolglos dagegen, im Sattlerhandwerk aufzugehen.

Trotzdem sind manche Änderungen durchaus positiv – oder möchten Sie sich heute gern von Ihrem Frisör einen Zahn ziehen lassen. Das Handwerk der Barbiere wandte bei der Kundschaft noch im beginnenden 20. Jahrhundert den Aderlass an, eine Methode, die wohl oftmals mehr schadete als nutzte. Das Zunftzeichen, der flache Teller, weist bis heute darauf hin.

Wenn wir heute über Bahnhofsverkauf oder ÖPNV-Parkplätze reden, geht verloren, dass auf dem Bahnhof noch bis in die 1970er Jahre zahlreiche Mitarbeiter beschäftigt waren. Die Dienstleistungen wurden von Menschen erbracht, nur wenige Automaten unterstützten die Arbeit. Ein Zustand, der nicht nur bei den Seniorenbeauftragten bis heute viele Freunde hätte.

Das September-Kalenderblatt ist einer Malerfamilie gewidmet. Friedrich Michaelsen machte sich am 01. April 1880 – vor nahezu 129 Jahren - selbstständig. An der Entstehung dieses Betriebes lässt sich exemplarisch die Entwicklung der Albert-Mahlstedt-Straße ablesen, die bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges ihren Handwerkercharakter weitgehend erhalten hatte.

Drogerien, die es ja heute kaum noch gibt, haben sich aus den mittelalterlichen Arzneimittelhandlungen entwickelt. Auch Arzneidrogen wie Heil- und Giftpflanzen werden hier gehandelt. Als sich Mitte des 19. Jahrhunderts die Fotografie entwickelt, sind es die Drogisten, die die benötigten Materialien zur Verfügung stellen. In der Frühzeit des Automobils, vor der Entstehung der ersten Tankstellen, kaufen die Chauffeure ihren Treibstoff in größeren Flaschen ebenfalls dort. Heute sind in den spezialisierten Geschäften die alten Sortimente weitgehend verschwunden.

Ein weiteres Kapitel widmet sich der Entwicklung des Elektrohandwerks. Die ersten Betriebe, die sich mit der Installation von Leitungen in Haushalten beschäftigen, entstammen dem traditionellen Handwerk. Klempner und verwandte Berufe nehmen diese neue Technik in ihr Angebot auf. Im Mai 1932 wird die Elektro-Innung Eutin gegründet. Die Firma Scheele & Oelkers ist eine der ersten in Eutin, die sich mit dieser Thematik beschäftigt und durch den Boom der Elektrogeräte Bestandteil des Wirtschaftswunders wird.

Das letzte Kapitel des Kalender 2010 könnte auch mit:

"Als die Milch noch nicht aus der Großmeierei Upahl kam" überschrieben werden. Auch die Entwicklung des Meiereiwesens hat sich aufgrund hygienischer Vorschriften erheblich verändert. Zahlreiche kleinere Meiereien existieren heute nicht mehr. Ältere Eutiner können sich noch an den Bauhof-Meiereipächter Gustav Struck erinnern, der bis in die 1930er Jahre mit dem Pferdewagen Milch, Sahne, Quark und Butter verkaufte.

Der Vorstand hätte noch viele Berufe beschreiben und mit zeitgeschichtlichem Kolorit versehen können. Aber auch das Jahr 2010 wird wieder nur 12 Monate haben.

Der Kalender ist ab sofort in zahlreichen Eutiner Geschäften (Buchhandlung Am Rosengarten, LMK, Firma Massur und bei Foto Prien) zu erwerben. Trotz des aufwendigen Farbdruckverfahrens, das den historischen Bildern einen ganz besonderen Zauber verleiht, wird der Kalender wie schon in den vergangenen Jahren für nur 11,-- € angeboten.

Er wurde in einer Auflage von 900 Exemplaren gedruckt.

Die Originale des Fotomaterials stammen aus dem großen Fundus der Bürgergemeinschaft Eutin und dem Archiv Hahn-Herse.

Regine und Karlheinz Jepp haben die Texte erarbeitet. Der Eutiner Aloysius Kroll und Elke Kock haben die redaktionelle Überarbeitung der Texte übernommen.

Da die ähnlich gestalteten Kalender der letzten zwölf Jahre meist bereits vor Weihnachten weitgehend vergriffen waren, hofft der Verein, dass dieses Werk auch in diesem Jahr wieder ein „Renner“ wird.

Die Gewinne des Kalenderverkaufs der letzen Jahre kamen unter anderem den Toranlagen des Eutiner Schlossgartens und der Wiederherstellung der Mühlenflügel zugute. Gegenstände, die im direkten Zusammenhang mit dem Eutiner Schloss stehen, wurden ebenso gefördert wie Spiele für die Eutiner Kindergärten. Auch Baumaßnahmen, die das Bild der Eutiner Innenstadt verschönern, so z.B. in der Stolbergstraße und in der Lübecker Straße, wurden in den letzten Jahren immer wieder von der Bürgergemeinschaft gefördert.

Die Gewinne der Kalender 2007 und 2008 flossen in Ausstattungsgegenstände der Eutiner St.-Michaelis-Kirche. In der jüngeren Vergangenheit hat sich die Bürgergemeinschaft zum Motor der Wiederherstellung der Ehrentafeln des Eutiner Ehrenmals am Schlossgarten gemacht. In diesem Jahr werden wir voraussichtlich wieder einiges am Schloss mitfinanzieren. Zurzeit wird über ein kleines Büchlein für Kinder nachgedacht – mehr soll hier aber noch nicht verraten werden.

 

 

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