Im Sande verlaufen ?
Nachdem im Sommer in der Altstadt die "Madina Beach Bar" eröffnet wurde, die vor dem historischen Witwenpalais, einem der stadtbildprägendsten Gebäude Eutins, einen Südseestrand entstehen ließ, fragten sich Bürgergemeinschaft wie Bürger wie sich die Situation wohl nach der Saison darstellen würde. Nun ist es deutlich zu sehen: Liegestühle und Hawaii-Ambiente sind verschwunden, der Strandsand ist weiterhin da. Allerdings nur sofern es regnet. Sobald mit einer herbstlich windigen Trockenperiode zu rechnen ist, wird sich der Sand über den Markt und die angrenzenden Straßen verteilen. Bei schudderigem Novemberwetter sitzt niemand mehr im Liegestuhl vor dem eindrucksvollen Gebäude und genießt tropische Cocktails in einer Atmosphäre, die für Eutin so fremd ist wie ein Japaner in Lederhosen auf dem Münchner Stachus. Grundsätzlich ist Leben und Geschäftigkeit im Palais auch seitens der Bürgergemeinschaft Eutin, einem Verein der sich seit über 30 Jahren in Eutin für Stadterhaltung und Stadtgestaltung einsetzt, ausdrücklich zu begrüßen. Aber es wäre schöner, wenn sich diese Belebung auch in saisonal und regional typischen Ausprägungen zeigt. Ein Martinsumzug vorbei an leuchtendem Strandsand, ein Weihnachtspunsch in tropischem Ambiente sind wohl weniger passend für die Holsteinische Schweiz, die zur dieser Zeit eher mit Steckrüben und Glühwein lockt. Einheimische wie Gäste suchen im Winter wohl eher herbstlich geschmückte Umgebungen als Beach Bar Feeling.
"Wir hoffen, dass sich die Betreiber des Hauses spätestens wenn die weihnachtliche Dekoration in Eutin um sich greift, mit dem Sand etwas einfallen lassen", so Regine Jepp, Sprecherin der Bürgergemeinschaft Eutin. "Möglicherweise könnte man ihn ja in kleine Säckchen füllen und als exklusiven Streusand verkaufen", so der Verein.
Auch wenn der Anblick des Strandsandes nun seit kürzester Zeit durch formschöne grüne Allwetter-Kunststoffplanen verdeckt ist, auf denen sich Regenpfützen bilden, die sich in Bälde in der Weihnachtsdekoration spiegeln werden, so ist der Anblick davon nicht schöner geworden, aber immerhin ist die Gefahr des "Eutiner Sandsturmes" gebannt. Oder sollte der Betreiber den Sand schon in Säckchen gefüllt haben?