Bürgergemeinschaft Eutin e.V. besucht Wolfenbüttel

Der Vorstand der Bürgergemeinschaft Eutin e.V., ein Verein, der sich seit über 30 Jahren um Fragen von Stadterhaltung und -gestaltung in Eutin kümmert, besuchte für drei Tage die Herzogstadt Wolfenbüttel. Die Residenzstadt, die etwa drei Mal so groß wie Eutin ist, lässt sich in einigen Bereichen sehr gut mit unserer Stadt vergleichen.  Der historische Innenstadtkern, der u. a. aus über 600 Fachwerkhäusern besteht, unterliegt in großen Teilen denkmalschutzrechtlichen Auflagen. Trotzdem ist es dort gelungen, eine intakte Einkaufswelt mit überlieferter Bausubstanz zu verbinden. Auch in Wolfenbüttel arbeiten etwa 200 engagierte Bürger an der Erhaltung des Stadtdenkmals als Mittelpunkt des sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens.

Ein wesentlicher Punkt des Besuches war der intensive Austausch mit dem gerade neu gewählten 1. Vorsitzenden der "Aktionsgemeinschaft Altstadt Wolfenbüttel", Dieter Kertscher. Schon in den ersten Gesprächen zeigte sich, dass beide Vereine in ihrer Grundstruktur und Aufgabenstellung vergleichbar sind. Auch die dortige Bürgergemeinschaft verfügt über einen aktiven Vorstand. Darüber hinaus arbeiten allerdings noch vier Arbeitskreise, die sich mit Öffentlichkeitsarbeit, der Ausgestaltung der Weihnachtsmarktes, der Erhaltung der Fachwerkhäuser und der Revitalisierung der Reste der historischen Festungsanlagen beschäftigen. Die Gruppe "Fachwerk" kümmert sich um die systematische Erfassung des historischen Baubestands mit dem Ziel, ein umfassendes bauhistorisches und entwicklungsgeschichtliches Dossier über die Häuser zu veröffentlichen.

Der Arbeitskreis "Festungsbau" recherchiert die heute in Stadtgebiet noch sichtbaren Reste der einst mächtigen Festungsanlagen. Dabei wird auch konkret praktische Arbeit geleistet, wie der Vorsitzende Kertscher eindrucksvoll demonstrierte.

Am Nachmittag zeigten der Stadtvertreter und 1. stellvertretende Bürgermeister Heinz-Reiner Bosse sowie die Stadtvertreterin und Landtagsabgeordnete Dörthe Weddige-Degenhard den Vertretern der Bürgergemeinschaft Eutin einige neuralgische Punkte der Altstadt, so u.a. das vom Abriss bedrohte Kaufhaus Hertie. Den Abschluss bildete ein Besuch im historischen Rathaus, das sich in mehreren denkmalgeschützten Gebäuden befindet und in den letzten Jahren für 25 Mio. Euro saniert wurde. Die Mitglieder der Bürgergemeinschaft Eutin e.V. waren von der äußerst gefühlvollen  Weise, in der die Restaurierung durchgeführt wurde, beeindruckt. Trotz herausfordernder Rahmenbedingungen wie unterschiedlichen Geschosshöhen, marodem Fachwerk und Raumzuschnitten, die nur bedingt für Büroräume geeignet zu sein scheinen, wurden die Häuser sensibel instandgesetzt.  

In Wolfenbüttel sind Fragen der Gestaltungssatzung und der städtischen Möblierung ähnlich brennend wie in Eutin. Auch hier wurden in der Vergangenheit zahlreiche Häuser mit unpassenden Werbeanlagen verunziert. Es sind die oftmals scheinbar im Gegensatz stehenden berechtigten Interessen der Kaufleute mit den Belangen des Kulturgutes des Stadtbildes abzuwägen. Aus diesen Gründen hat sich die Vertretung der Stadt Wolfenbüttel bereits im Jahr 2008 entschieden, bei der Nutzung des öffentlichen Raumes verstärkt qualitätsbezogene Merkmale heranzuziehen. Kunststoffgestühl ist dort in der Fußgängerzone ebenso untersagt wie die unmäßige Häufung von Stellschildern und Werbefahnen.

Die Regelungen in Wolfenbüttel tragen verstärkt der Tatsache Rechnung, dass auf zentralen Plätzen und in der Fußgängerzone die Aufenthaltsfunktion eine steigende Bedeutung hat. Aus diesen Gründen wurden dort Gestaltungsmerkmale in die Sondernutzungssatzung mit aufgenommen. 

Nach überaus interessanten Tagen wurde der Wolfenbüttel-Besuch mit dem festen Willen beendet, den Kontakt zwischen beiden Residenzstädten nicht abreißen zu lassen. Die Vorstandsmitglieder der Bürgergemeinschaft Eutin e.V. Burgdorf und Jepp: "Der Besuch hat wertvolle Anregungen ergeben, die insbesondere in unsere Arbeit zum Thema Werbung und Stadtmöblierung einfließen werden."

 

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