Bürgergemeinschaft Eutin e.V. wünscht sich entspannteren Umgang mit der Lebensfreude
"Der Prozess um den Eutiner Maibaum erweist dem Denkmalschutz einen Bärendienst", so Regine Jepp, Sprecherin der Bürgergemeinschaft Eutin e.V. Schon einmal hat sich der Verein intensiv mit der Ehrensäule am Markt beschäftigt. Als das Landesamt für Denkmalschutz vor etwa zwei Jahren entschied, für die Restaurierung einen Weg vorzuschreiben, der dazu führte, dass die Schriftzüge des aufwändig wiederhergestellten Ehrenmals nicht lesbar waren, zog sich der Verein aus diesem Projekt enttäuscht zurück. Mit der Entscheidung, eine Marmorplatte zu schützen und damit billigend in Kauf zu nehmen, dass die Namen der im Felde gebliebenen Eutiner nicht mehr nachvollziehbar sind, trägt das LfD dazu bei, einen Teil der Erinnerungskultur aufzugeben. Umso erstaunlicher ist der nun erbittert geführte Kampf um den Standort des Maibaumes. Nach Ansicht des Vereins wird die Würde des Ehrenmals eher durch verschmutzte Rabatten gestört.
Die Bürgergemeinschaft Eutin e.V., die sich seit dem Sommer 2007 intensiv mit Kriegstoten und deren Lebensgeschichte beschäftigt hat, ist der festen Überzeugung, dass die Würde der Verstorbenen bei einer Gedenksäule, die an so prominenter Stelle steht, nicht durch manifestierte Lebensfreunde eingeschränkt wird. "Hätte man diese Befürchtung gehabt, dann hätte man nach der Katastrophe des deutsch-französischen Krieges für eine Gedenkstätte einen Platz am Rande der Stadt gewählt", so Jepp. Durch die Wahl des Standortes hat man aber sehr bewusst das Gedenken mitten ins Herz der Stadt gebracht, an einen Ort, der schon seit Jahrhunderten für Begegnung, aber auch für das urbane Leben mit Leiden und Freuden steht.
Auch wenn das Aufstellen von Maibäumen in Norddeutschland nicht eben tradiert ist, sollte man diesem Brauch keine größere Bedeutung beimessen. Das Ehrenmal auf dem Marktplatz bildet seit 125 Jahren den zentralen Punkt der Stadt und sollte mit Würde und Respekt behandelt werden. Diese sieht der Verein aber durch einen Weihnachtsbaum nicht eingeschränkt.
Auch in der Nachbarstadt Plön hat sich vor einigen Jahren ein ähnlicher Streit entbrannt, aber dort wurde weise entschieden, das temporäre Aufstellen eines Maibaums denkmalrechtlich zu dulden.
Im übrigen ist die Bürgergemeinschaft Eutin e.V. verwundert, dass sich das Landesamt für Denkmalpflege um eine zeitlich befristete Erscheinung wie einen Maibaum so intensiv kümmert, während an anderer Stelle zur gleichen Zeit wertvolle denkmalgeschützte Substanz vernichtet wird.