Winterzeit, Gartenzeit - zur Besuchsordnung des Schlossparks Eutin
Nachdem im Jahr 2006 nach über 20 Jahren die gesamte Sanierung des Eutiner Schlosses beendet werden konnte, hat direkt im Anschluss die Revitalisierung des Küchengartens begonnen. Dabei ist einmal die Dringlichkeit einer Gartenordnung zu erkennen. Die Bürgergemeinschaft Eutin regte schon vor Jahren den Erlass einer solchen Ordnung an. Bei der Durchsicht anderer Parkordnungen verwundert immer wieder, dass oftmals nur mit Verboten operiert wird. Dies erscheint dem Vorstand im Jahre 2011 nicht mehr zeitgemäß. Regine Jepp, Sprecherin der Bürgergemeinschaft Eutin: "Wir glauben, dass die Anregungen und Hinweise eine größere Chance auf Akzeptanz haben, wenn den Bürgerinnen und Bürgern näher erläutert wird, warum diese oder jene Regelung in der Besuchsordnung enthalten ist." Auch aus diesem Grund hat sich der Verein über lange Jahre mit dem Thema beschäftigt und einen Vorschlag erarbeitet, der sich weder ausschließlich den Belangen des Denkmalschutzes unterwirft noch den Schlossgarten in einen "Bürgerpark" umwandeln will.
Dabei möchte der Verein keine historische "Käseglocke" über den Schlossgarten stülpen, sondern Verhältnisse schaffen, durch die der Garten von vielen Einheimischen und Gästen genossen werden kann. Gerade im vergangenen Sommer mussten Besucher aber leider feststellen, dass dieser insbesondere nach Festtagen immer mehr zu einer innerstädtischen Müllkippe verkommt. Schon Ende des 19. Jahrhunderts war das Verhalten im Garten genau geregelt. In der Besuchsordnung vom 24. Mai 1890 heißt es: "Personen, welche das Aussehen von Vagabonden haben, ebenfalls solche, welche Körbe, Geräthe und dergleichen tragen, Handwagen oder Karren schieben, werden fortgewiesen". Auch Kindern war das Betreten des Gartens ohne Aufsicht führende Eltern verboten, ältere Geschwister oder Kindermädchen reichten nicht aus. Solche Regelungen muten heute seltsam an. Trotzdem bedarf auch heute die Nutzung des Gartens gewisser Lenkungen, um ein gedeihliches Miteinander zu gestalten, ohne dass der Park als historisches Kleinod Schaden nimmt.
In Eutin wurde in der jüngsten Vergangenheit viel über die Bedeutung des Tourismus für die städtische Entwicklung gesprochen. Hier spielt der Schlossgarten eine tragende Rolle. Dabei betrachtet es die Bürgergemeinschaft Eutin als unverzichtbar, dass auch Angebote für Einheimische und Gäste den touristischen Nutzen des Gartens erweitern und den Geist der Aufklärung, in dem der Garten vor über 200 Jahren entstanden ist, noch besser erlebbar machen.
Spätestens, wenn die Brücke über den Schlossgraben fertig ist, muss sich die Stiftung Schloss Eutin zu der Frage der Abschließbarkeit des Gartens positionieren.