Kalender 2012
Anlässlich einer kleinen Feierstunde stellt der Vorstand der Eutiner Bürgergemeinschaft e.V. im Beisein des Kreispräsidenten Joachim Wegener, des Eutiner Bürgervorstehers Ernst-Joachim Meseck und des Bürgermeisters Klaus-Dieter Schulz den Eutin-Kalender 2012 vor. Als Veröffentlichungsort hat der Verein das Café de Bux gewählt.
Dieses Werk, das zum 31. Mal erscheint, ist in der Vergangenheit zu einem beliebten Geschenk für die Bürgerinnen und Bürger Eutins geworden. In den ersten Jahren der Kalendertradition erschienen Federzeichnungen mit bereits abgerissenen oder vom Abriss bedrohten Häusern. Von 1985 bis 1994 erschien der Kalender mit zeitgenössischen Farbfotos und erläuternden Texten auf der Rückseite. Seit 1995 trägt er das Motto "Eutin in alten Ansichten", damit liegt nun die 18. Ausgabe vor. Mit diesen 18 Kalendern existieren nun immerhin auch 234 einzelne Kapitel und bilden damit schon eine stattliche Sammlung stadtgeschichtlicher Episoden.
Dreizehn historische Ansichten zeigen Altstadtbilder und dörfliche Kleinodien. Auf den Rückseiten befinden sich ergänzende Ansichten. Einige Aufnahmen werden insbesondere bei älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern liebevolle Erinnerungen wecken, sie werden bei einigen Ansichten an ihre eigenen Jugendjahre denken. Der umfangreiche Textteil auf den Rückseiten erläutert die Geschichte der jeweiligen Abbildung auf der Vorderseite und beleuchtet auf diese Weise interessante Abschnitte der jüngeren Stadtgeschichte.
Der Kalender 2012 beginnt mit der Geschichte eines Schauspielers, der die Familie seiner Schwester in Eutin als Rückzug aus dem hektischen Geschäft in der Reichshauptstadt in den 1930er Jahren gesehen hat. Gern spielt er mit seinen Nichten und Neffen im großen Garten am Stadtgraben. Doch das Schicksal ist ihm nicht gnädig, im Jahr 1942 wird der promovierte Jurist Dr. Manfred Voss im Konzentrationslager Buchenwald ermordet.
Ebenfalls ein interessantes Leben mit einem tragischen Ende hat der Hamburger Emil Behnke, der im Jahr 1912 die Leitung des Schlosshotels am Markt übernimmt. Nach dem Krieg arbeitet er zehn Jahre für die Spar- und Leihkasse, um dann als städtischer Angestellter tätig zu sein. Doch all dies ist nicht der Grund, weshalb die Bürgergemeinschaft Eutin e.V. ihm eine Kalenderseite gewidmet hat. Emil Behnke ist ein begnadeter Fotograf, der in Eutin Dutzende von qualitativ hochwertigen Abzügen gefertigt hat. Durch den Sucher seiner Leica sieht er Eutin mit den Augen eines Poeten, aber auch eines kritischen Zeitgenossen. Auch durch die Datierungen seiner Fotos hat Emil Behnke der Stadt Eutin ein bedeutendes Erbe hinterlassen.
Eine der bedeutendsten Personen der Nachkriegszeit für Eutin ist der Optikermeister Dr. Werner Pistor. Im Jahr 1905 in Thüringen geboren, ein Schüler von Prof. Carl Zeiss, Jena, betreibt er seit 1947 in Eutin ein Augenoptikergeschäft. In den 1950er Jahren erkennt er als einer der ersten die Bedeutung der elektronischen Hörhilfen. Im Jahr 1966 gründet Pistor eine Innung für Hörgeräteakustiker und begleitet diesen Standesverband über 15 Jahre als Vorsitzender. Pistor sorgt dafür, dass schon im Jahr 1972 in Lübeck-Travemünde das erste Ausbildungszentrum entsteht. 1977 wird er Vorsitzender der europäischen Vereinigung der Hörgeräteakustiker. Trotz dieser vielfältigen Aktivitäten ist Werner Pistor in Eutin verwurzelt und nimmt am gesellschaftlichen Leben der Stadt teil. Bei seinem Tod im April 1989 trauern nicht nur die Familie und die Mitarbeiter, auch die wissenschaftliche Vereinigung hat ein langjähriges Mitglied und einen engagierten Mitstreiter verloren.
Eine Frau, die viele heutige Eutiner noch lebhaft vor Augen haben, ist Anny Trapp. Im Jahr 1901 in Kiel geboren, kommt sie bereits zu Lehr- und Berufsjahren nach Eutin. Im Jahr 1933 vermählt sie sich mit Karl-Ludwig Trapp, der einige Jahre am Technikum als Lehrer gearbeitet hat, bis er zu den Howaldtswerken Kiel wechselt. Im Jahr 1951 tritt Anny Trapp in die SPD ein. Im Zuge ihres politischen Lebens engagiert sich Anny Trapp in zahlreichen verschiedenen Ämtern. Einen Höhepunkt bildet sicherlich die Wahl zur letzten Kreispräsidentin des Kreises Eutin im Jahr 1969. Auch die Entwicklung des städtischen Biedermann-Heimes zum DRK-Alten- und Pflegezentrum, die Altenbegegnungsstätte, der Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt und vieles andere mehr sind von ihr auf den Weg gebracht worden. Zu ihren Ehren wird seit 1991 am 21. Dezember, ihrem Geburtstag, der "Anny-Trapp-Preis" verliehen.
Bürgermeister Albert Mahlstedt ist es, der den Hamburger Architekten Albert Klücher überredet, in Eutin die Leitung einer privaten Fachschule für Bau- und Maschinenwesen zu übernehmen. Im Jahr 1895 ist es so weit. Das Technikum ist in der Lübecker Straße Nr. 17 untergebracht. Mit dem Aufschwung der Schule, die von 1895 bis 1934 etwa 5.500 Studenten ausbildet, kann Albert Klücher die Lehrtätigkeit nicht mehr allein bewältigen. In der Leitung erhält er Unterstützung von seinen Söhnen Albert jun. und Christian. Auch der spätere Mann von Anny Trapp gehört zu den Unterrichtenden des Technikums. Christian Klücher baut sich kurz vor dem Ersten Weltkrieg im neu entstehenden Viertel auf dem Kamp in der Bismarckstraße Nr. 1 eine repräsentative Villa. Einen herben Schicksalsschlag erleidet der Architekt mit seiner Frau, als am Weihnachtsabend des Jahres 1913 ein Brand ausbricht, durch den das Kind des Ehepaars zu Tode kommt.
Der Töpfermeister Jürgen Friedrich Niemann ist ein Mann, der mit seinen Werken bis heute Spuren in Eutin hinterlassen hat. Niemann ist der Kunsthandwerker, der die anspruchsvollen Ideen des Goethemalers Johann Heinrich Wilhelm Tischbein in Töpferkunst umzusetzt. Bis heute sind zahlreiche dieser imposanten Arbeiten im Schloss, im Ostholstein-Museum und in etlichen Privathäusern zu sehen. Der Ofenmacherbetrieb, der seit 1695 in Eutin archivalisch belegt ist, wird über 240 Jahre in der Lübecker Straße Nr. 47 Bestand haben. Die Ofenfabrik Niemann ist ein Wirtschaftsunternehmen, an das bis heute noch wunderschöne kunsthandwerkliche Besonderheiten erinnern, die zu Zeiten, als die Raumtemperatur noch nicht durch das Tippen auf ein Display geregelt werden konnte, von eminenter Bedeutung gewesen sind. In den Niemannschen Öfen verbindet sich praktischer Nutzen mit hohem ästhetischem Anspruch.
Weitere Kapitel widmen sich dem Lehrer Prof. Dr. Christoph Jaep, Justizrat August Barelmann, der Baronin Doris von Hengel, dem Ökonom Carl Petersen, der Lehrerin Johanna Steen, der Gastwirtin Hermine Holzbach und den Jüdinnen Jenny und Alice Nathan.
Der Kalender ist ab sofort in zahlreichen Eutiner Geschäften (Buchhandlung Am Rosengarten, LMK, Firma Massur) zu erwerben. Trotz des aufwändigen Druckverfahrens, das den historischen Bildern einen ganz besonderen Zauber verleiht, wird der Kalender wie schon in den vergangenen Jahren für nur 11,-- € angeboten. Er wurde in einer Auflage von 900 Exemplaren gedruckt.
Die Originale des Fotomaterials stammen aus dem großen Fundus der Bürgergemeinschaft Eutin. Regine und Karlheinz Jepp haben die Texte erarbeitet; Aloysius Kroll und Elke Kock haben die redaktionelle Überarbeitung der Texte übernommen.
Da die ähnlich gestalteten Kalender der letzten siebzehn Jahre meist bereits vor Weihnachten weitgehend vergriffen waren, hofft der Verein, dass dieses Werk auch in diesem Jahr wieder ein "Renner" wird.
Die Gewinne des Kalenderverkaufs der letzen Jahre kamen unter anderem den Toranlagen des Eutiner Schlossgartens, der Wiederherstellung der Mühlenflügel, den Maßnahmen zur Wiederherstellung des Ehrenmals zugute. Auch Baumaßnahmen, die das Bild der Eutiner Innenstadt verschönern, so z.B. in der Stolbergstraße und in der Lübecker Straße, wurden in den letzten Jahren immer wieder von der Bürgergemeinschaft gefördert. Auch das derzeitige Hauptprojekt des Vereins, die Digitalisierung des "Anzeigers für das Fürstentum Lübeck" ab 1802 bis 2002 wird aus dem Kalendergewinn unterstützt.