Kunst in Eutin

 Die Aussage der Chefs der Eutiner Tourismus GmbH, Per Köster, "Eutin kann Kunst immer gebrauchen", stößt bei Vertretern der Bürgergemeinschaft auf Irritationen. Der Satz, ausgesprochen im Zusammenhang mit geschenkten Skulpturen, die die Stadt nur mit den Wartungskosten belasten sollen, lässt nach Ansicht des Vereins gestalterisches Fingerspitzengefühl vermissen. "Eutin darf sich nicht der künstlerischen Beliebigkeit hingeben", so Jepp. Gut gestaltete Kunst ist für jede Stadt von Vorteil. Aber immer öfter werden Objekte, die eher als unpassende Möblierung bezeichnet werden sollten, zu hoher Kunst stilisiert. Die kulturelle Entwicklung von der Rosenfee über Erinnerungssteine verschiedenster Art bis hin zur schiffsgeformten Sandkiste auf dem Marktplatz vermag der Verein nicht zu erkennen.

 Der Stadt, die sich nach dem einstimmigen Beschluss des Kulturausschusses am Projekt "Regio-CI" der Handwerkskammer beteiligt, stehen nun Kunstwerke aus Holz oder Metall ins Haus. Damit soll der deutsch-dänischen Bevölkerung der Sinn für regionale Gemeinsamkeiten diesseits und jenseits des Belts vermittelt werden. Während die Mehrheit der Ausschussmitglieder es begrüßt, hier "Kunst für lau" zu bekommen, befürchtet der Verein, dass sich am Ende zwei ungeliebte Figuren, die sich möglichweise nicht nahtlos in die Eutiner Kulturgeschichte einflechten lassen, an prominenter Stelle wiederfinden. Das Argument, dass das Geld sofern es nicht in Eutin ausgegeben wird, anderen zu Gute kommen würde, kann den Verein nicht überzeugen.

 Aber die Segnungen dieses EU-geförderten Projektes gehen noch weiter. Innerhalb eines Zeitraumes von zwei Jahren werden neben Workshops und Sprachkursen von Graphikern Printvorlagen für T-Shirts und Taschen entwickelt, von denen auch die Eutiner Ehrenamtsträger profitieren können, denn einige der Baumwollhemden sollen kostenfrei abgegeben werden, damit die Verantwortlichen Werbung für die regionale Identität machen können. Doch die Projektentwickler hatten noch weitere interessante Ideen: es werden Fooddesigner Backwaren kreieren, die ebenfalls als Symbol der regionalen Identität gelten sollen. Auch hierbei können die Stadtvertreter als Erste an der Verkostung teilnehmen.

 Die Vorstellung T-Shirt bekleideter, "Regio-CI-Kekse" knabbernder Stadtvertreter, die vor einer neuen Holz- oder Metallskulptur stehen und für die Beltregion Werbung machen, zieht nach Auffassung der Bürgergemeinschaft Eutin e.V. nicht unbedingt einen kulturellen Quantensprung der Stadt nach sich. Kunst geht eben nicht nach dem Motto "Geiz ist geil".

 

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