Im Sande verlaufen?
Nachdem im letzten Sommer in der Altstadt die "Madina Beach Bar" eröffnet wurde, die vor dem historischen Witwenpalais, einem der stadtbildprägendsten Gebäude Eutins, einen Südseestrand entstehen ließ, fragten sich Bürgergemeinschaft wie zahlreiche Bürger, wie sich die Situation wohl nach der Saison darstellen würde. Im Winter waren Liegestühle und Hawaii-Ambiente verschwunden, der Sand durch eine hässliche Kunststoffplane abgedeckt.
Im März sprossen auch vor dem Palais, einem der kulturhistorisch interessantesten Bauwerke unserer Stadt, die Frühlingsblüher aus dem weißen Strandsand. Diese sind nun auch wieder verschwunden. Warten nun wieder alle auf die Partybestuhlung?
Ein Gast, der im norddeutschen Sommer im Liegestuhl vor dem eindrucksvollen Gebäude sitzt und tropische Cocktails genießt, ist für Eutin so fremd wie ein Japaner in Lederhosen auf dem Münchner Stachus. Grundsätzlich ist Leben und Geschäftigkeit im Palais auch seitens der Bürgergemeinschaft Eutin, einem Verein, der sich seit über 30 Jahren in Eutin für Stadterhaltung und Stadtgestaltung einsetzt, ausdrücklich zu begrüßen. Aber es wäre schöner, wenn sich diese Belebung auch in saisonal und regional typischen Ausprägungen zeigt.
Ein Schützenumzug vorbei an leuchtendem Strandsand, ein Michaelisfest in tropischem Ambiente sind wohl weniger passend für die Holsteinische Schweiz, die zur dieser Zeit mit Pflaumen, Erdbeeren und Äpfeln lockt.
In Zeiten, in denen mit Slow Food und regionalen Produkten geworben wird, ist eine Club Lounge ein Fremdkörper, der wohl weniger eine Ergänzung des gastronomischen Angebotes als eher ein Kuriosum darstellt.
"Wir hoffen, dass sich die Besitzer des Hauses mit der Gestaltung des Vorfeldes etwas einfallen lassen", so Regine Jepp, Sprecherin der Bürgergemeinschaft Eutin. "Möglicherweise könnte man ihn ja in kleine Säckchen füllen und im Winter als exklusiven Streusand verkaufen“" so der Verein.